Warum die optische Erkennung nur ein erster Hinweis ist

Asbestfasern sind mikroskopisch klein – rund 700-mal duenner als ein menschliches Haar. Kein Auge, egal wie geschult, kann einzelne Fasern in einem Material erkennen. Was Sie erkennen koennen, ist der Materialtyp und dessen typisches Baujahr – daraus laesst sich eine Verdachtseinschaetzung ableiten, die dann per Labor bestaetigt werden muss.

SUVA-Position: Bei Gebaeuden vor 1990 gilt grundsaetzlich: Verdacht auf Asbest annehmen, bis eine Laboranalyse das Gegenteil belegt.

Eternit-Platten (Asbestzement)

Die haeufigste Erscheinungsform in der Schweiz. Erkennungsmerkmale:

  • Glatte oder leicht wellige, graue bis anthrazitfarbene Oberflaeche
  • Sehr hart, klingt beim Anklopfen "steinern", nicht wie Kunststoff
  • Oft in Form von Fassadenplatten, Wellplatten (Dach), Blumenkaesten oder Rohren
  • Baujahr des Gebaeudes vor 1990 ein starker Hinweis

Details zur Entsorgung dieses Materials finden Sie in unserem Artikel Eternit entsorgen Schweiz.

Bodenbelaege

  • Vinyl-Flex-Platten: Meist 30×30 cm grosse Fliesen, oft in Kueche, Flur oder Keller, Baujahr 1950er–1980er
  • Schwarzer oder grauer Kleber unter Bodenbelaegen (Teerklebstoff) – haeufig asbesthaltig, auch wenn der Belag selbst asbestfrei ist
  • Novilon-Boeden: Weichere Bahnenware, in vielen Schweizer Mietwohnungen der 1960er–1980er Jahre verlegt

Rohrisolierungen

Weisse bis graue, oft bröckelige Ummantelung um Heizungs- und Wasserrohre im Keller. Diese Form gilt als schwach gebunden und damit als besonders gefaehrlich, da sich Fasern bereits durch Beruehrung loesen koennen.

Spritzasbest

Grau-weisse, poroese, watteartige Beschichtung an Decken oder Stahltraegern, meist in Treppenhaeusern, Technikraeumen oder Industriegebaeuden vor 1980. Gilt als die gefaehrlichste Erscheinungsform. Ausfuehrliche Informationen zu Erkennung und Sanierung in unserem Artikel Spritzasbest Schweiz.

Putz und Spachtelmasse

Optisch nicht von asbestfreiem Putz unterscheidbar – hier hilft nur das Baujahr als Indiz. Details dazu in unserem Artikel Asbest in Putz und Spachtelmasse.

Weniger bekannte Fundorte

Neben den haeufigen Materialien oben gibt es zwei seltenere, aber reale Fundorte: grauer bis braeunlicher, rissiger Fensterkitt an Holzfensterrahmen vor 1990 (siehe Asbest in Fensterkitt und Fensterdichtungen) und in Einzelfaellen Tapeten mit asbesthaltiger Unterlage, vor allem in Technik- und Heizungsraeumen (siehe Asbest in Tapeten und Wandbelaegen).

Uebersichtstabelle

MaterialTypisches AussehenTypisches Baujahr
EternitGlatt-graue, harte Plattenvor 1990
Vinyl-Flex-Platten30×30 cm Fliesen1950er–1980er
RohrisolierungWeiss-graue Ummantelungvor 1990
SpritzasbestPoroese, watteartige Beschichtungvor 1980
Putz/SpachtelmasseOptisch unauffaellig1960er–1980er

Was tun bei Verdacht?

Verdaechtiges Material nicht beruehren, bohren oder schleifen. Eine Laboranalyse gibt Gewissheit – Ablauf und Kosten erklaeren wir im Artikel Asbest Test Schweiz, oder als schnellere Variante im Artikel Asbest-Schnelltest Schweiz.

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